COBOL wird sechzig – und ist noch lange nicht reif für die Rente

Die Programmiersprache bildet immer noch die Basis vieler Geschäftsanwendungen. Doch das Alter von COBOL bringt auch Herausforderungen für eine Wirtschaft, die mitten in der digitalen Transformation steckt, mit sich. Diese sind aber nicht unüberwindbar.

COBOL wird sechzig – und ist noch lange nicht reif für die Rente

Zu viel Code in Unternehmenssoftware basiert auf COBOL, um die Programmiersprache zu vernachlässigen. Nun ist es an der Zeit, sie zu modernisieren. Doch das ist nicht so einfach. COBOL-Fachkräfte werden immer seltener, mit Nachwuchs sieht es da auch eher schlecht aus. Daher heißt es: schnell handeln und die Initiative ergreifen, wenn es darum geht, COBOL aus der Vergangenheit in die Zukunft zu befördern.

Altbewährt und verlässlich

Mitte September, sechzig Jahre zurück, tauchte zum ersten Mal die Abkürzung COBOL für Common Business Oriented Language auf – und von da an trat die Programmiersprache ihren Siegeszug durch die IT-Welt an. Sie ist damit sogar älter als die Diskette, diese wurde erstmals 1969 vorgestellt. Im Gegensatz zu diesem Speichermedium ist COBOL heute allerdings immer noch flächendeckend im Einsatz – ein erstaunliches Faktum in einer Zeit, in der wir von immer kürzeren Technologielebenszyklen umgeben sind. Das spricht definitiv für die Fähigkeiten von COBOL, genau wie diese Zahlen:

  • 80 Prozent aller Transaktionsverarbeitungssysteme wurden unter Verwendung von COBOL aufgebaut.
  • 95 Prozent aller Kartenlesegeräte an Geldautomaten funktionieren mit COBOL-Code.
  • 220 Milliarden COBOL-Code-Zeilen sind heute in Verwendung und fünf Milliarden kommen jedes Jahr neu hinzu.

Immer noch und auch in Zukunft relevant

COBOL ist nicht umsonst nach 60 Jahren noch im Einsatz und wird es auch noch lange Zeit bleiben, denn die Sprache bietet viele Vorteile: COBOL hat sich über die Jahre stetig weiterentwickelt und Firmen wie IBM und Micro Focus haben viel investiert, um den neuen Bedürfnissen der Wirtschaft immer gerecht zu werden. Während der langen Nutzungszeit konnten umfangreiche Erfahrungen gesammelt werden und eine große Community entstehen. Außerdem war COBOL von Anfang an als Programmiersprache geplant, die sich konsequent an Business-Anforderungen orientiert.

Herausforderung Modernisierung

Beständigkeit hat auch ihre Schattenseiten. Viele Unternehmen haben heute Software im Einsatz, die in ihrem Kern jahrzehntealt ist. Auch wenn alles weiterentwickelt wurde und kaum noch Code aus der Anfangszeit in den Programmen steckt, bleibt doch die strukturelle Basis dieselbe: Host-Systeme, die einst in COBOL erstellt wurden. Die Nutzer arbeiten zwar auch mit neuen grafischen Interfaces, allerdings sind solche Lösungen nicht für die schnelllebige digitale Welt von heute gemacht. Neue und schnell wechselnde Anforderungen sowie sich verändernde Geschäftsmodelle und -prozesse lassen sich in diesen Enterprise-Applikationen oft nicht mehr adäquat abbilden, zumindest nicht in vertretbarer Zeit.

„Agil“ ist heute das Wort der Stunde, mit den stabilen aber unflexiblen IT-Systemen von einst ist es allerdings kaum möglich, agil zu arbeiten. Daher ist parallel eine neue, moderne IT entstanden. Vertrieb, Kommunikation und Customer Relationships laufen über moderne Anwendungen, die teilweise Cloud-basiert sind. Dieses Nebeneinander von verschiedenen IT-Strukturen kann kein Dauerzustand bleiben. Schließlich geht es doch immer darum, Daten aus ihren Silos zu befreien; und Web-Applikationen benötigen beispielsweise auch Daten aus Transaktionssystemen.

Unternehmen, die ihre Anwendungen nicht auf der grünen Wiese neuentwickeln oder auf eine Standardlösung umsteigen wollen, stehen vor der Aufgabe, ihre etablierten Systeme zu modernisieren. Dabei wird grundsätzlich der Kern der Enterprise-Applikationen erhalten, also die Geschäftslogik, zum Beispiel in COBOL-Code. Auf dieser Basis gibt es zwei Ansätze: Der Transfer auf andere Plattformen und die Integration in Software, die auf anderen Technologien basiert.

Herausforderung Fachkräfte

An den Universitäten ist COBOL heute kaum noch Thema. Eine Studie von Micro Focus ergab, dass von 119 weltweit untersuchten Hochschulen nur noch 27 Prozent die Programmiersprache auf dem Lehrplan haben. Das kann für Unternehmen zum Problem werden, denn Mitarbeiter, die sich sehr gut mit COBOL auskennen, gehen nach und nach in den Ruhestand und dem Nachwuchs fehlen dann die entsprechenden Skills. Daher müssen Firmen selbst ihre Mitarbeiter fortbilden oder die Arbeit mit COBOL-Anwendungen vereinfachen.

Micro Focus bietet hierfür ein umfassendes Cobol Academic Program an. Hier können Dozenten alles erlernen, was sie für das Unterrichten eines branchenrelevanten IT-Kurses benötigen, sodass sichergestellt wird, dass Studenten später den IT-Herausforderungen der Unternehmen gerecht werden. Zudem werden Mitglieder der COBOL Alliance mit lokalen Universitäten vernetzt, um Zugang zu IT-Talenten von morgen zu finden.

vor 1 Woche

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